In Deutschland leben mehr als drei Millionen Menschen, die Russisch als Familiensprache sprechen. Dazu kommen Studierende, Fachkräfte und Unternehmen mit Geschäftskontakten nach Osteuropa und Zentralasien. Früher oder später steht fast jeder von ihnen vor derselben Aufgabe: Ein Dokument auf Russisch muss für eine deutsche Stelle verständlich und rechtssicher vorliegen.
Das klingt einfach. In der Praxis scheitern viele Anträge aber nicht am Inhalt, sondern an der Form der Übersetzung.
Wann eine einfache Übersetzung nicht reicht
Für private Zwecke, etwa einen Brief von Verwandten oder eine Speisekarte, genügt jede ordentliche Übersetzung. Sobald jedoch eine Behörde, ein Gericht oder eine Hochschule beteiligt ist, wird fast immer eine beglaubigte Übersetzung verlangt.
Diese fertigt ein Übersetzer an, der von einem deutschen Landgericht oder Oberlandesgericht ermächtigt oder beeidigt wurde. Er bestätigt mit Stempel und Unterschrift, dass die Übersetzung vollständig und richtig ist. Ohne diesen Vermerk wird das Dokument in der Regel zurückgewiesen.
Die häufigsten Dokumente
Bestimmte Unterlagen tauchen immer wieder auf, besonders bei Einbürgerung, Eheschließung, Anerkennung von Abschlüssen oder Rentenfragen:
- Geburts- und Heiratsurkunden
- Scheidungsurteile und Namensänderungen
- Schul- und Hochschulzeugnisse, Diplome mit Notenanhang
- Arbeitsbücher, die sogenannten Trudowaja Knischka
- Führerscheine und Meldebescheinigungen
Wer zum Beispiel für die Einbürgerung oder eine Hochzeit die Geburtsurkunde übersetzen lassen muss, sollte vorher beim Standesamt nachfragen, ob zusätzlich eine Apostille auf dem Original nötig ist. Diese stellt nicht der Übersetzer aus, sondern die zuständige Behörde im Ausstellungsland.
Die Sache mit der Transliteration
Ein klassischer Stolperstein sind Namen. Kyrillische Buchstaben lassen sich auf verschiedene Weise in lateinische Schrift übertragen. Aus demselben Namen kann Schukow, Zhukov oder Žukov werden, je nachdem, welches System verwendet wird.
Deutsche Behörden orientieren sich meist an der Schreibweise im Reisepass. Wenn Pass, Geburtsurkunde und Diplom unterschiedliche Varianten enthalten, entsteht schnell Verwirrung. Ein erfahrener Übersetzer Deutsch Russisch fragt deshalb vor Beginn nach der Passschreibweise und übernimmt sie konsequent in allen Dokumenten.
Das spart später Rückfragen und im schlimmsten Fall eine komplett neue Übersetzung.
Arztberichte und Befunde
Ein Bereich, der oft unterschätzt wird, sind Gesundheitsunterlagen. Wer nach Deutschland zieht, bringt häufig Befunde, Impfausweise oder Entlassungsberichte aus Russland, Kasachstan oder der Ukraine mit. Auch Ärztinnen und Ärzte, die ihre Approbation anerkennen lassen wollen, müssen umfangreiche Unterlagen vorlegen.
Hier reicht Sprachkenntnis allein nicht aus. Diagnosen, Abkürzungen und Medikamentennamen unterscheiden sich zwischen den Gesundheitssystemen deutlich. Für solche Texte sind medizinische Übersetzungen durch Fachleute mit medizinischem Hintergrund die sicherere Wahl, denn ein falsch übertragener Laborwert kann echte Folgen für die Behandlung haben.
Wie lange es dauert
Eine einzelne Urkunde ist meist innerhalb von zwei bis drei Werktagen übersetzt. Bei mehreren Dokumenten, handschriftlichen Einträgen oder schlecht lesbaren Kopien kann es länger dauern. Ältere sowjetische Urkunden sind oft teilweise handschriftlich ausgefüllt, manchmal mit verblassten Stempeln.
Planen Sie deshalb einen Puffer ein, besonders wenn ein Termin beim Standesamt oder bei der Ausländerbehörde bereits feststeht. Eine Eilübersetzung ist möglich, kostet aber in der Regel einen Aufschlag.
Wer russische Dokumente übersetzen lässt, sollte auf eine böse Überraschung bei Behörden verzichten wollen und deshalb genau auf die Qualifikation des Übersetzers achten. Gerade bei Verträgen oder Urkunden reicht eine allgemeine Übersetzung nicht aus, hier braucht es eine juristische Übersetzung mit dem passenden Fachvokabular. Nur so wird das Dokument am Ende auch tatsächlich anerkannt, statt wegen eines vermeidbaren Fehlers zurückgewiesen zu werden.
Was eine beglaubigte Übersetzung kostet
Die Preise hängen vom Umfang und vom Schwierigkeitsgrad ab. Standardurkunden wie Geburts- oder Heiratsurkunden werden häufig zu einem Pauschalpreis pro Seite angeboten. Zeugnisse mit langen Fächerlisten oder Gerichtsurteile werden meist nach Zeilen oder Wörtern berechnet.
Hinzu kommen eventuell Versandkosten, denn viele Behörden verlangen das Original der beglaubigten Übersetzung auf Papier. Eine PDF-Datei reicht nicht immer. Fragen Sie im Zweifel vorher nach.
Online oder vor Ort
Früher musste man für eine beglaubigte Übersetzung persönlich ins Büro gehen. Heute läuft der Großteil digital: Sie schicken einen gut lesbaren Scan, erhalten ein Angebot und bekommen die fertige Übersetzung per Post zugeschickt.
Manche Kunden bevorzugen trotzdem einen persönlichen Ansprechpartner in ihrer Stadt, etwa wenn es um eine größere Menge an Unterlagen oder vertrauliche Firmendokumente geht. In Norddeutschland greifen viele dann auf ein Übersetzungsbüro Hamburg zurück, das Termine vor Ort und kurze Wege zu Notaren und Konsulaten bietet.
Checkliste vor dem Auftrag
- Klären Sie bei der Behörde, ob eine beglaubigte Übersetzung und eine Apostille nötig sind.
- Legen Sie die Passschreibweise aller Namen fest.
- Scannen Sie Vorder- und Rückseite, auch wenn die Rückseite fast leer ist.
- Prüfen Sie, ob Stempel und Handschrift auf dem Scan gut lesbar sind.
- Fragen Sie nach, ob die Behörde das Original auf Papier verlangt.
Ein Blick auf die Sprache
Russisch gehört zu den ostslawischen Sprachen und wird von rund 250 Millionen Menschen gesprochen. Wie der Wikipedia-Artikel zur russischen Sprache zeigt, hat sie eine sehr reiche Grammatik mit sechs Fällen und vielen Verbformen. Das erklärt auch, warum automatische Übersetzungsprogramme bei offiziellen Texten schnell an ihre Grenzen stoßen.
Übersetzung in die Gegenrichtung
Nicht nur russische Unterlagen landen auf dem Schreibtisch des Übersetzers. Wer in Kasachstan, Kirgisistan oder Armenien arbeiten, heiraten oder studieren möchte, braucht oft deutsche Dokumente auf Russisch. Auch hier gelten eigene Regeln. Manche Länder verlangen, dass die Unterschrift des Übersetzers zusätzlich von einem Notar oder einem Konsulat bestätigt wird. Die Botschaft des Ziellandes gibt darüber verbindlich Auskunft, und ein kurzer Anruf dort erspart oft wochenlange Verzögerungen.
Fazit
Russische Dokumente für deutsche Stellen zu übersetzen, ist Routine, wenn man die Spielregeln kennt. Beglaubigung, einheitliche Namensschreibweise und ein realistischer Zeitplan sind die drei Punkte, an denen die meisten Anträge hängen bleiben. Wer sie früh klärt, spart sich Rückfragen, doppelte Kosten und unnötige Wartezeit.
